Active Sourcing: Auf der Suche nach Talenten

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Aus der Menge der Anfragen hervorstechen und potenzielle Kandidaten überzeugen. Mit Active Sourcing kannst du proaktiv Arbeitnehmer für dein Unternehmen rekrutieren, die dir gefallen. Klingt spannend, sagst du?

Inhalt

Was ist Active Sourcing?

Ehrlicherweise müssen wir an dieser Stelle sagen: Active Sourcing lässt sich ganz leicht aus dem Englischen übersetzen und der Begriff erklärt seine Bedeutung von selbst. Die “Aktive Beschaffung” bezieht sich also darauf, selbst und aktiv auf Kandidaten zuzugehen und diese anzusprechen.

Warum?

So können passive Kandidaten (das heißt, sie sind nicht aktiv auf Jobsuche), aber auch Jobsuchende, die die Stellenanzeige möglicherweise nicht gefunden hätten, angesprochen werden. 

Zusätzlich gibt es den Nebeneffekt, dass du mit Active Sourcing die Bekanntheit deines Unternehmens steigerst.

In vielen Bereichen ist Active Sourcing keine Neuigkeit, da Recruiter schon immer ihre Kanäle und ihr Netzwerk nutzen, um neue Kandidaten zu finden. Der aktuelle Trend bezieht sich eher auf die Ausweitung des Bereichs auf viele verschiedene Branchen und Karrierelevels sowie darauf, dass einfach mehr Recruiter die Methode für sich entdecken.

Dabei können sich die Schwerpunkte und konkreten Methoden unterscheiden.

Active Sourcing: Methoden und Kanäle

Die Grundlage im Active Sourcing basiert darauf, dass du weißt, wer deine Zielgruppe ist und wo sie sich aufhält. Stelle dir dabei folgende Fragen, recherchiere sie und frage nach:

  • Was sind die Interessen der gefragten Personen? 
  • Was sind wichtige Themen für sie?
  • Was sind die Bedürfnisse hinsichtlich der Jobsuche und des Arbeitgebers?

Active Sourcing anwenden: Diese Methoden gibt es

  1. Suche nach Personen im Web: Über die Plattformen LinkedIn und XING findest du viele Profile von Arbeitnehmern und dir werden dazu passende Tools zur Verfügung gestellt. Zusätzlich kannst du über Suchmaschinen wie Google oder auch Datenbankenplattformen wie beispielsweise die Monster Lebenslaufdatenbank oder die CareerBuilder Lebenslaufdatenbank suchen. Beim Social Media Recruiting suchst du im Rahmen des Active Sourcings zusätzlich passende Kandidaten und Profile auf sozialen Medien und Karrierenetzwerken wie XING. Mehr zum Social Recruiting haben wir dir bereits hier zusammengefasst.
  2. Karriereseite nutzen: Ähnlich wie bei einem klassischen Newsletter kannst du auf deiner Karriereseite ein Formular einbauen, das es Interessierten ermöglicht, sich einzutragen. Durch das einfache Verlinken des LinkedIn- oder XING-Profils durch den Bewerber erhältst du direkt Informationen und Daten zur Person. Gibt es neue, passende Jobs oder Inhalte aus dem Employer Branding, kannst du sie mit deinen Abonnenten teilen. Wie du deine Stellenanzeige von der Karriereseite auf viele weitere Plattformen bekommst, efährst du in unserem Artikel zum Thema Multiposting.
  3. Interessierte und aktive Personen anschreiben: Eine sinnvolle Strategie ist es, Inhalte auf einer Plattform zu veröffentlichen und die Personen, die interagieren anzuschreiben und mit ihnen ein Gespräch zu eröffnen. 
  4. Campus Recruiting: Wo finden wir viele Fachkräfte auf einmal, die neben Praktika, Werkstudentenstellen auch immer wieder einen Berufseinstieg suchen? Richtig auf dem Campus von Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen. Häufig bieten die jeweiligen Studierendenschaften oder Career Center Jobmessen an, die du besuchen kannst. Eine weitere Möglichkeit ist es, sogenannte Praxisprojekte an Hochschulen anzubieten und gemeinsam mit Studierenden an Themen zu arbeiten. Du ermöglichst den Einblick in die Praxis, bekommst dafür aber auch spannende, neue Ideen und positionierst dein Unternehmen als (hoffentlich) attraktiven Arbeitgeber.
  5. Mitarbeiterempfehlungen: Lasse die derzeitigen Mitarbeiter wissen, wen du suchst. Über das Netzwerk und den Bekanntenkreis kommen oft besonders passende Kandidaten ins Unternehmen. Vernetzte dich am besten auch auf LinkedIn und XING mit deinen Kollegen in allen Abteilungen und Ebenen. So kannst du sie bitten, den Kontakt herzustellen, wenn du an jemandem interessiert bist, zu dem dann bereits ein Kontaktpfad besteht.

Active Sourcing: Welche Kanäle kannst du nutzen?

Einige der hier vorgestellten Methoden definieren bereits den Kanal, den du nutzt. Trotzdem wollen wir dir hier noch eine Übersicht über die Kanäle geben, die du im Active Sourcing verwenden kannst:

  • Karrierenetzwerke LinkedIn und XING mit ihren Tools fürs Active Sourcing
  • Indeed
  • Zielgruppenspezifische Plattformen:
    • Stack Overflow 
    • Jobware
    • MediJobs
    • Foodjobs
  • Facebook
  • Twitter
  • Google und andere Suchmaschinen

Tools und Software, die dir die Nutzung dieser Kanäle zum Active Sourcing erleichtern, stellen wir dir in den FAQs vor.

FAQs zum Active Sourcing

Welche Active Sourcing Tools gibt es? Welche Software eignet sich für das Active Sourcing?

Zunächst sind hier die beiden Anwendungen der bekannten Karriereplattformen LinkedIn und XING zu nennen: LinkedIn-Recruiter und XING-Talentmanager. Die beiden Tools sind am bekanntesten und haben Zugriff auf die jeweiligen Nutzer der Plattformen.

Talerio ist eine Plattform mit 233.463 Talenten (nach eigenen Angaben), die dort anhand ihrer Profile durchsuchbar sind und dir automatisiert zu deiner eingestellten Stellenanzeige angezeigt werden.

Ein Tool, welches spezialisiert auf das Active Sourcing, Funktionen anbietet, ist vom Anbieter Talentwunder.

Active Sourcing als Dienstleistung kann bei Campusjäger gebucht werden. Die Plattform mit über 196.000 Kandidaten bietet einen individuellen Service und nutzt dabei neben dem eigenen Pool ein exklusives Netzwerk an Partnern.

Auf hochqualifizierte Fachkräfte mit mindestens 15 Jahren Berufserfahrung hat sich der Anbieter Business4experts spezialisiert und dort lassen sich die Profile für deine Positionen der höheren Karrierelevels besetzen.

inga – so heißt das vollautomatisierte Active-Sourcing-Angebot, das per Chatbot auch noch die erste Kontaktanfrage übernimmt. Auf Kandidatenseite bewirbt das Unternehmen, das hinter inga steckt, die schnelle Bewerbung per Chat, bei der lediglich eine Kurzbewerbung notwendig ist.

Wie gehst du im Active Sourcing mit dem Datenschutz um?

Das Thema Datenschutz beschäftigt immer wieder alle Branchen – besonders seit der Einführung der EU-Verordnung DSGVO. Aufgrund der höheren Strafen, die bei Verletzungen drohen, sollten regelmäßig die eigenen Aktivitäten überprüft werden.

Bei konkreten Fragen wendest du dich am besten an den Datenschutzbeauftragten deines Unternehmens. Grundsätzlich schränkt die Datenschutzgrundverordnung die Nutzung von Active Sourcing noch nicht ein. 

Du solltest darauf achten, dass du eine Einwilligung der Bewerber und Kandidaten einforderst, sobald du nach der ersten Kontaktaufnahme den Bewerbungsprozess startest.

Die Einwilligung sollte dokumentiert sein – zum Beispiel über eine Checkbox im Bewerbungsformular, auf das du passende Kandidaten weiterleitest.

Wie steht es rechtlich, um das aktive Abwerben von Kandidaten im Active Sourcing?

Werbung per Telefon, E-Mail oder Brief – und das ist im Grunde auch Active Sourcing – ist laut des § 7 UWG nicht erlaubt, wenn erkennbar ist, dass die Angesprochenen dies nicht erwünschen. Aber ist eine mutmaßliche Einwilligung zu erwarten – wovon wir zunächst einmal ausgehen können bei einem Jobangebot – können wir denjenigen kontaktieren. 

Grundsätzlich solltest du beachten: Sobald eine Person eine negative Reaktion zeigt oder der Kontaktierung widerspricht, solltest du von einer weiteren Kontaktierung absehen. 

Wie kannst du Active Sourcing lernen? Gibt es Active-Sourcing-Kurse?

Die Herausforderung im Active Sourcing ist eindeutig: Die Voraussetzungen ändern sich stetig. Neben den individuellen Ansprüchen der Zielpersonen ändern sich auch die Plattformen, Kanäle und deren Funktionsweise. 

Das heißt, ein Kurs oder ein Webinar im Active Sourcing ergibt nur Sinn, wenn du vorhast, auch am Thema dranzubleiben. Oder anders gesagt, reicht es eben nicht, einmal ein Seminar zu besuchen und dich dann nicht mehr über Neues zu informieren.

Möchtest du dich weiterbilden, bietet beispielsweise das Unternehmen intercessio Trainings im Active Sourcing an. Auch Monster Training zeigt in Kombination mit der Vorstellung der eigenen Tools Active-Sourcing-Methoden.

Das Unternehmen Talentwunder bietet immer mal wieder Webinare an.

Wie schreibst du eine Suchanfrage im Active Sourcing?

Anhand der Eingabe bestimmter Suchparameter in Suchmaschinen kannst du deine Suche perfekt eingrenzen und abstimmen. Solche Suchketten werden auch als Strings bezeichnet. 

Vor allem, wenn du Kandidaten mit sehr speziellen Kenntnissen suchst, bietet es sich an, mit solchen Suchparametern die Suche einzuschränken. 

Bedenke bei den Suchparametern (oder Boolean Search), dass andere Recruiter diese und die verfügbaren Tools auch nutzen. Das heißt, um nicht bei denselben Kandidaten zu landen – und diese dann zum fünften Mal anzuschreiben – solltest du kreativ werden und auch ungewöhnliche Suchstrategien nutzen, wie zum Beispiel die Suche mit Rechtschreibfehlern oder unterschiedlichen Schreibweisen eines Begriffs.

Allerdings müssen wir hier auch sagen, dass die Suchmaschinen und allen voran Google ihre Algorithmen immer weiter verfeinern und die Suchintention der Nutzer immer besser verstehen. Das führt dazu, dass die Nutzung von solchen Suchparametern im Active Sourcing, auch Boolean Search oder Direct Search genannt, über Suchmaschinen immer mehr an Bedeutung verliert

Google beispielsweise setzt immer mehr auf die semantische Suche und Parameter, wie AND und OR, verlieren nach und nach ihre Funktion. 

Was heißt das? 

Testen, testen, testen. Um im Active Sourcing Kandidaten über Suchmaschinen zu finden, solltest du deine Suchbegriffe, die Verwendung der Boolean Search und der X-Rays kennenlernen und variieren, um als Sourcer auf allen Plattformen die extrem komplexen algorithmischen Tools steuern können. 

Darauf solltest du achten, um im Active Sourcing erfolgreich zu sein

Im Active Sourcing gilt die Regel: Durch immer wieder neue und kreative Ideen kannst du die eigenen Ansätze stetig verbessern. Wenn du viel testest, merkst du, was deinen Kommunikationspartnern gefällt und was nicht. Du merkst außerdem, wie die einzelnen Kanäle und Plattformen individuell funktionieren. 

Zusätzlich haben wir 5 Tipps definiert, die dir helfen können:

1. Individualisierung

Die Individualisierung der Ansprache ist von hoher Bedeutung. So erkennt der Nutzer, dass es sich nicht um Spam handelt und du ein echtes Interesse an einem Austausch hast. 

Schaue dir dazu sein Profil genau an und verwende ähnliche Begriffe, wie die Person in ihrem Profil, oder gehe auf ihre Erfahrungen und Interessen ein.

2. Qualität

Verwende die richtige Anrede und den richtigen Namen. Das mag einfach klingen, aber hier passieren die häufigsten Fehler, wenn die Sorgfalt nachlässt.

Call-to-Action: Häufig werden Bewerber angeschrieben, die dann keine Handlungsaufforderung vermittelt bekommen, wenn sie Interesse haben. Es ist wichtig, genau zu wissen, was als Nächstes passieren soll, nachdem die Kontaktanfrage angekommen ist. 

Warum ist das wichtig?

Was nach dem Erstkontakt passiert, hat einen hohen Einfluss auf die Wahrnehmung des Kandidaten. 

Ein Beispiel: Ein Kandidat zeigt nur ein leichtes Interesse. Der Recruiter antwortet ihm daraufhin nicht mehr, weil er an Personen mit einer besseren Reaktion mehr interessiert ist. Der Kandidat hört also nichts mehr nach seiner Antwort und der Kontakt und der Arbeitgeber bleiben negativ im Gedächtnis. 

Um die richtige Qualität gewährleisten zu können, ist der nächste Punkt von Bedeutung.

3. Quantität

Nimm dir Zeit beim Sourcing und bei deinen Anschreiben. Ähnlich wie du es vom Bewerber bei einem Anschreiben erwartest, solltest auch du dir genau überlegen, was du schreibst. Active Sourcing sollte nicht halbherzig betrieben werden, da es mehr Ressourcen und Zeitinvestition benötigt, als du vielleicht denkst, um die Methode erfolgreich umzusetzen.

Genau deshalb empfehlen wir den Fokus auf wenige, sehr passende Kandidaten im Active Sourcing Prozess zu legen. Dabei ist dann besonders der erste Schritt – das Screening und die Auswahl an Kandidaten – wichtig.

Wie viel du letztendlich schreibst, hängt davon ab, was es zu erzählen gibt, wie deine Strategie ist und wie du die Zielperson einschätzt.

Eine allgemeine Empfehlung à la so kurz oder so detailliert wie möglich, können wir dir nicht geben. Ein kreatives und oftmals ansprechendes Format, welches meist gut ankommt, ist ein Recruitingvideo zu versenden.

Fokussierst du dich auf wenige aber passende Kandidaten, kannst du auch nach etwa zwei Tagen ein höfliches Follow-Up schicken und nachfragen, ob die Person deine Nachricht erhalten hat und dein starkes Interesse noch einmal vermitteln.

4. Authentizität

Als Vertreter des Unternehmens solltest du passend zur Arbeitgebermarke kommunizieren und deine Sprache sowie den Tonfall daran anpassen. Natürlich kannst und sollst du dabei auch beachten, wie die Kommunikation auf der Plattform generell funktioniert.

Das Unternehmen, für das du suchst, sollte genannt werden. Wenn die Anfrage gut gemacht ist und die Person eine reale Chance sieht, dass hier eine interessante Job-Möglichkeit wartet, wechselt sie auch nicht zur Karrierewebseite oder beendet das Gespräch. 

Das heißt, du kannst auch Transparenz und Authentizität zeigen, wenn du Active Sourcing im Auftrag anderer betreibst

5. Nachhaltigkeit

Wie bereits erklärt, ist es wichtig, Kandidaten nach dem Erstkontakt “im Loop” zu halten. Biete alle hilfreichen und nötigen Informationen an, die erfragt werden und erkundige dich auch regelmäßig nach dem Stand der Bewerbung, falls du die Person an jemanden “weitergegeben” hast.

Der Aufbau eines Talent Pools bietet ebenfalls ein großes Potenzial. Hat ein Kandidate derzeit kein Interesse, solltest du den Kontakt aufrechterhalten, wenn dein Gesprächspartner das auch will. 

So kannst du nach und nach ein ganzes Netzwerk bzw. deinen Talent Pool aufbauen und bei neuen Stellen auf Talente zurückgreifen.

Key Takeaways

Der Vorteil von Active Sourcing liegt klar auf der Hand: gezielter Zugang zu passenden Kandidaten – auf Jobsuche oder nicht.
Die wichtigsten Tools sind dabei eindeutig LinkedIn Recruiter und der XING Talentmanager, aber auch spezialisierte Software kann eingesetzt sowie die ganze Dienstleistung bei Anbietern gebucht werden.
Bei der Umsetzung von Active Sourcing sind die individuelle Ansprache und der ganzheitliche, langfristige Einsatz erfolgsentscheidend. 

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