Mobile Recruiting: So wird das Smartphone zum Touchpoint

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Bewerbung on-the-go – aus der Straßenbahn, am Flughafen oder von der Couch. Neben der Zunahme der Kandidaten, die sich über ein mobiles Endgerät nach Jobs umsehen, führen auch immer mehr die Bewerbung komplett am Smartphone durch. Wie muss Mobile Recruiting aussehen, um die richtigen Bewerber am richtigen Zeitpunkt abzupassen und zu erreichen? Welche Kanäle sind überhaupt sinnvoll?

Inhalt

Mobile Recruiting Definition

Beim Mobile Recruiting dreht es sich alles, um die Umsetzung und Verbesserung von Prozessen der Personalbeschaffung auf mobilen Endgeräten. 

Damit ist Mobile Recruiting ein Teilbereich des E-Recruitings oder auch digitalen Recruitings.

Wie sieht das dann aus?

Ein Bewerber informiert sich auf dem Handy über offene Stellen in seiner Umgebung und findet dabei dein Unternehmen. Alle Kanäle, über die ihr zu finden seid, werden am Handy gecheckt und sich zu Arbeitskultur, Aufgaben der Stelle und Entwicklungsmöglichkeiten informiert.

Bei der Bewerbung kann der Lebenslauf per Klick von Xing oder LinkedIn ins Bewerbungsformular übertragen werden. Dokumente und Zeugnisse werden von Google Drive oder aus der Dropbox hochgeladen.

Sämtliche Kommunikation – per E-Mail oder Bewerberchat – erfolgt am Handy von unterwegs. 

Sogar das Vorstellungsgespräch wird in Home-Office-Zeiten über den Video-Chat geführt.

Die Bewerberansprache über mobile Endgeräte im Recruiting ist demnach erforderlich, um die Kandidaten besser auf ihren Kanälen erreichen zu können. Dadurch ist es möglich, die Bewerberzahlen zu erhöhen und der Bewerbungsprozess zu vereinfachen.

Zahlen, Daten und Fakten

Sieht der Bewerbungsprozess heutzutage wirklich so aus, wie beschrieben?

  • Jobsuche nach Endgerät: 58,7 % der Kandidaten informieren sich mit dem Smartphone. Das sind 23,4 % mehr als noch zwei Jahre zuvor. 89,9 % der befragten Kandidaten nutzen 2018 noch den Computer oder Laptop zur Jobsuche.
  • Bewerbung per Endgerät: Auch hier liegen der Computer oder Laptop noch vorne. 93,8 % der Kandidaten schicken ihre Bewerbung am Desktop ab. Während diese Zahl allerdings seit 2016 rückläufig ist, ist die Zahl der mobilen Bewerbungen steigend. 34,5 % der Bewerber verwenden ein Smartphone, um sich zu bewerben.
  • Stellenwert und Bedeutung im Recruiting: Du findest Mobile Recruiting gehört in Zukunft dazu? 77,2 % der Unternehmen sind der Ansicht, dass es heute schon von großer Bedeutung ist.

Viele Prozesse sind am Smartphone noch zu umständlich, finden Kandidaten.

Das liegt häufig daran, dass Webseiten Fehler in der mobilen Version aufweisen oder der Lebenslauf-Import doch nicht so einfach funktioniert.

Mobile Recruiting auf dem Prüfstand: Vor- und Nachteile

Neben den Zahlen und Fakten sollte das Potenzial und die Risiken von Mobile Recruiting abgewogen werden:

Vorteile des Mobile Recruitings:

  • Höhere Flexibilität für die Bewerber
  • Bewerbung ohne Gerätewechsel führt zu einer Verringerung der Hindernisse
  • Stärkung der Arbeitgebermarke durch Nutzung aktueller Technologien und optimaler Candidate Experience
  • Erhöhung der Reichweite über mobile Recruiting-Kanäle

Nachteile des Mobile Recruitings:

  • Frustration bei Problemen in der Nutzung
  • Möglicherweise geringere Qualität der Bewerbungen durch kürzere Bearbeitungszeit durch den Bewerber bei mobilen Bewerbungen
  • Umständlichkeit (falls kein Upload von Dokumenten von Google Drive o. ä. unterstützt wird)

Da Mobile Recruiting mit der hohen Mobilnutzung der Kandidaten langfristig zunehmend erforderlicher wird, sollten die Nachteile durch gute Planung und eine ausgearbeitete Strategie umgangen werden.

Besonders der mangelnden Benutzerfreundlichkeit lässt sich durch eine einwandfreie technische Umsetzung entgegenwirken.

Diese Maßnahmen gibt es im Mobile Recruiting: Karriereseite, Recruiting-App und mobile Recruiting-Kanäle

Durch Candidate Journey Mapping kannst du alle Kontaktpunkte, die ein Bewerber mit deinem Unternehmen hat identifizieren.

Im Schnitt hat ein Bewerber bis zu acht Touchpoints vor der eigentlichen Bewerbung. Sehen wir uns ein Beispiel an:

  1. Sieht eine Werbung auf Instagram zu einem Karriere-Event bei dem dein Unternehmen als Sponsor auftritt.
  2. Erzählt einem Freund von dem Event und dass es von Ihnen durchgeführt wird. Dieser kennt einen Mitarbeiter und berichtet von der Arbeitsatmosphäre.
  3. Sieht sich dein Unternehmen und dessen Bewertungen auf kununu an.
  4. Besucht auf die Karriereseite.
  5. Sieht die Stellenanzeigen durch.
  6. Besucht den Stand auf dem Karriere-Event.
  7. Erhält eine Visitenkarte.
  8. Besucht die Karriereseite erneut und bewirbt sich unter Angabe des Kontakts.

Ordne nun die einzelnen Kontaktpunkte, die ein Bewerber mit deinem Unternehmen hatte den Endgeräten zu und analysiere, welche Kontaktpunkte wohl am häufigsten vom Laptop und welche vom Smartphone ausgeführt werden.

Hierzu kannst du beispielsweise den Zielgruppen-Bericht von Google Analytics nutzen. 

Darüber kannst du genaue Zahlen einsehen, die angeben, wie viele Nutzer deine Karriereseite und einzelne Stellenanzeigen auf welchem Gerät öffnen.

Mobile Optimierung der Karriereseite

Eine große Bedeutung für das Nutzererlebnis hat die Responsiveness deiner Karriereseite.

Responsiveness bedeutet, wie sich deine Webseite an unterschiedliche Bildschirmgrößen anpasst und demnach wie mobil optimiert sie ist.

Achte auf folgende Punkte:

  • Flash-Inhalte können auf den meisten Smartphones nicht angezeigt werden. Besonders die iPhone-Reihe unterstützt die Dateiform nicht.
  • Sind alle Buttons klickbar?
  • Passen sich die Inhalte an die Bildschirmgröße an und verschieben sich bei veränderter Bildschirmgröße?

Praxis-Tipp: Um herauszufinden, wie dein Recruiting auf dem Smartphone performt, kannst du im Chrome-Browser die Entwicklertools öffnen. 

Dazu nutzt du zum Beispiel die Tastenkombination Strg+Shift+M (Windows) oder Option+Command+I (Mac). Über die Device Toolbar kannst du verschiedene Bildschirmgrößen einstellen und die Anzeige deiner Karriereseite auf allen möglichen Endgeräten prüfen.

Mobile Recruiting-App

Es gibt zwei verschiedene Wege eine App für das eigene Recruiting einzusetzen.

Eine eigene Recruiting-App, die für dein Unternehmen entwickelt wurde oder die Nutzung der Apps von Jobbörsen, Karrierenetzwerken oder spezialisierten Anbietern.

Kandidaten bewerten die eigene Recruiting-App von Unternehmen durchaus positiv: Sie schätzen es, direkt einen Ansprechpartner kontaktieren zu können. Außerdem nutzen sie Beratungsfunktionen und den Statusbericht zur eigenen Bewerbung mit Push-Benachrichtigungen.

Dennoch gilt es, sich die Investition gut zu überlegen, aufgrund der hohen Kosten, des Aufwands bei der Pflege und den erforderlichen Updates.

Mobile Apps, die als Recruiting-Kanäle genutzt werden können, bieten zum Beispiel:

  • truffls
  • Stepstone
  • Indeed
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Monster
  • Trovit
  • Hokify
  • LinkedIn
  • XING
  • Talentcube
  • Talenthero

Mobile Recruiting-Kanäle

Neben der mobil optimierten Karriereseite und einer eigenen Recruiting-App bietet sich beispielsweise ein Newsletter, zu dem sich interessierte Kandidaten eintragen können, an.

Gibt es regelmäßig neue zu besetzende Stellen und möglicherweise einen Karriere-Blog, dessen Inhalte für Bewerber interessant sein können, solltest du erwägen einen Newsletter anzubieten.

Dieser sollte auf die Darstellung in der Mail-App des Smartphones angepasst sein. 

Darstellung eines mobilen Newsletters fürs Recruiting
Quelle: macrovector

Tipps zum mobil-optimierten Newsletter:

  • Es muss nicht einfach nur der Inhalt verkleinert werden, sondern textliche Inhalte im Headerbild beispielsweise vergrößert werden. 
  • Die empfohlene Button-Größe liegt bei 57×57 Pixel und farbig ausgefüllte Buttons eignen sich am besten. 
  • Mehrspaltige Bausteine im Newsletter können untereinander angeordnet werden und die Menüleiste des Newsletters – sofern es eine gibt – sollte nicht zu viel Fläche einnehmen.

Eine weitere Möglichkeit potenzielle Bewerber zu erreichen ist die Nutzung von Messenger-Diensten wie WhatsApp. 

Mit einem Tag der offenen Tür per WhatsApp konnte das Team von Daimler Recruiting beispielsweise 100 Interessenten erreichen. Interessierte Bewerber konnten sich in eine WhatsApp-Gruppe einladen lassen und einen Tag lang den Arbeitsalltag einer Person in einem FollowMeAround-Format verfolgen.

Um verschiedene mobile Recruiting-Kanäle auf einmal zu nutzen, kann Multiposting infrage kommen. Dabei werden Stellenanzeigen auf einer Vielzahl von Kanälen gleichzeitig veröffentlicht.

Dies ist zum Beispiel bei der Nutzung eines Bewerbermanagementsystems oft im Funktionsumfang enthalten. 

Bei der Auswahl einer solchen Software kannst du auch darauf achten, dass eine mobil-optimierte Karriereseite unterstützt wird und dir somit den Weg ins  Mobile Recruiting erleichtern.

Letztlich wollen wir noch die Nutzung von mobilen Bewerbungsvideos erwähnen.

Video-Bewerbung mit Talentcube als Möglichkeit des Mobile Recruitings
Quelle: Talentcube

Seit dem Auftritt von Talentcube bei der Höhle der Löwen 2017 sind die Videoaufnahmen im Bewerbungsprozess bei Recruitern und Kandidaten bekannt.

Anstatt einem Anschreiben können Bewerber in einem kurzen Video jeweils auf von dir voreingestellte Fragen antworten und ihre Motivation für die ausgeschriebene Stelle ausdrücken.

Du bekommst dabei direkt einen persönlichen Eindruck und kannst sogar das erste Telefon-Interview sparen, bei dem es meist darum geht eine erste Einschätzung zu erlangen.

Key Takeaways

Die Relevanz von Mobile Recruiting nimmt, aufgrund einer steigenden Anzahl an Kandidaten, die sich über das Smartphone informieren und bewerben, stetig zu.
Im Mobile Recruiting sollte ein besonderes Augenmerk auf der Benutzerfreundlichkeit liegen, um Frustration und Probleme im Bewerbungsprozess und der Candidate Experience zu vermeiden.
Die mobile Optimierung der Karriereseite und die Nutzung von Recruiting-Apps sowie mobiler Recruiting-Kanäle sind Maßnahmen, die im Rahmen einer Strategie ausgearbeitet werden können.

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