Recruiting-Zukunft: Welcher Recruiter-Typ bist du?

| | Lesezeit: 5 Minuten

Der Recruiting-Alltag und der Weg in die Zukunft

Recruiting lebt heute von hoher Dynamik und Schnelligkeit. Wo früher drei bis sechs Monate Zeit blieben, bis ein geeigneter Kandidat gefunden werden musste, gehen heute drei bis sechs Wochen ins Land, um den perfekten Bewerber der Fachabteilung zu präsentieren.

Doch die hohe Geschwindigkeit kann auch zu Fehlern führen: Eine versehentlich an den Kandidaten weitergeleitete interne E-Mail mit einem negativen Kommentar des Kollegen, vertauschte E-Mails oder falsch geschriebene Namen. 

Irren ist menschlich – aber dennoch landet am nächsten Tag eine saftige Bewertung zum “unverschämten Verhalten” des Personalers auf kununu. Es gilt, gleichzeitig extrem schnell zu sein und niemanden zu lange warten zu lassen, aber auch keine Fehler zu machen.

Diese und viele weitere Herausforderungen bestimmen den heutigen Recruiting-Alltag. Daneben wird auf Konferenzen und in der Fachwelt vermehrt von den Recruiting-Trends der Zukunft gesprochen.

Themen wie KI & Chatbot, Automatisierung, Analytics sowie Mobile Recruiting und Social Recruiting werden diskutiert. 

Eine umfangreiche Zusammenfassung der Recruiting-Trends 2020 findest du zum Beispiel hier.

Teilweise sind diese Trends noch weit weg vom Alltag in der Personalabteilung und es bleibt offen, wie der Weg von echten Menschen in die zukünftige Recruiting-Welt aussieht.

Neben Stimmen, die die eine Existenz der Rolle “Recruiter” langfristig kritisch sehen, gibt es einige wenige, die sich mit der wirklichen Rolle auseinandersetzen. Sie analysieren, welche Eigenschaften Recruiter ausmachen, die mit Analytics und KPIs hantieren, die auf allen Kanälen arbeiten und mit dem Bot zur Eignung des Bewerbers chatten.

Inhalt

Recruiter-Typen der Zukunft

Mit einer umfassenden und wissenschaftlich begleiteten Studie analysierten metaHR und Stellenanzeigen.de die Welt der Recruiter.

Die folgenden Recruiter-Typen der Zukunft basieren auf den dort entwickelten Recruiter-Rollen, und vielen Quellen, die die Recruiting-Zukunft beschreiben. 

Welche Recruiting-Typen sind für die Zukunft gewappnet? In welche Richtung kannst du dich weiterbilden und entwickeln? Und welche Rolle siehst du für dich in Zukunft?

Der vernetzte Recruiter

Beim vernetzten Recruiter steht die Entwicklung und Pflege eines umfangreichen Netzwerks an erster Stelle. Dieses besteht auf der einen Seite aus Kandidaten und Talenten. Auf der anderen Seite enthält es Recruiting-Kollegen sowie Kooperierende im Unternehmen.

Die einzelnen Positionen der Personen im Unternehmen und deren kulturelle, inhaltliche und persönliche Interessen kennt der vernetzte Recruiter genau und weiß mit ihnen umzugehen.

So erfährt er beispielsweise nicht erst von einer Kündigung, wenn der Bedarf an die Personalabteilung gemeldet wird und akut ist. Das Ergebnis der Vernetzung und Kommunikation ist die Vermeidung von reaktivem Recruiting und einer besseren Planung und Weitsicht.

Feedback steht für ihn hoch in Kurs. Aus diesem Grund kommuniziert der vernetzte Recruiter nicht nur mit Bewerbern, sondern auch mit abgelehnten Kandidaten und bereits eingestellten Mitarbeitern. 

So kann er den Bewerbungsprozess optimieren und eine verbesserte Candidate Experience bieten.

Weiterhin wird er von der Geschäftsführung und den Fachbereichen unterstützt, da er als Moderator zwischen Wünschen, Bedürfnissen und Erwartungen vermittelt. Mitarbeiterempfehlungen bedeuten ein wichtiges Tool für ihn im Recruiting.

Letztlich baut er sein externes Netz an Recruiting-Kollegen und Experten immer weiter aus und seine Personal Brand als Recruiter hilft ihm, an Veranstaltungen teilzunehmen und sich auszutauschen. 

Hierbei denkt er sogar über Kooperationen nach. Das heißt, passt ein vielversprechender Kandidat doch nicht ins Unternehmen, empfiehlt er ihn an einen Kollegen weiter und umgekehrt.

Seine Methoden sind also:

  • Kommunikation und Feedback forcieren
  • Gespräche und Diskussionen moderieren
  • Mitarbeiterempfehlungen nutzen
  • Personal Brand entwickeln

Der strategische Recruiter

Der strategische Recruiter muss geschäftlich denken und handeln. Sein Recruiting orientiert sich stärker an den Unternehmenszielen.

Er entwickelt Strategien zur Gewinnung neuer Mitarbeiter, die zur Arbeitgebermarke passen und langfristig funktionieren. Neben seinen Fähigkeiten als Stratege ist er auch im Marketing und New Business Development versiert, da er als Quereinsteiger im HR zuvor einige Jahre in diesen Bereichen gearbeitet hat.

Seine Recruiting-Strategie bezieht alle Umweltfaktoren mit ein. Digitale Projekte sind durchdacht und strukturiert, sodass er auf die Unterstützung der Geschäftsführung zählen kann.

Die Auswahl des Recruiting-Tools findet bei ihm angepasst an die Prozesse und Methoden im Unternehmen statt. Das geeignete System hat die richtigen Funktionen und wird dementsprechend aktiv im Recruiting genutzt.

Durch die Kooperation mit den richtigen Recruiting-Partnern sind seine Recruiting-Prozesse langfristig gesichert und werden durch immer bessere Software, die regelmäßig geupdatet wird, ausgesteuert.

Seine Methoden sind also:

  • Unternehmensziele analysieren
  • Arbeitgebermarke entwickeln und unterstützen
  • Recruiting-Tools nutzen
  • Recruiting-Partner ins Boot holen

Der lernende Recruiter

Alle Möglichkeiten wahrnehmen, um sich weiterzubilden und aktuelle Kenntnisse und Fähigkeiten im Recruiting zu etablieren – das ist das Mantra des lernenden Recruiters.

Er hat verstanden, dass der Job des Recruiters viele Bereiche abdeckt und kann als weitergebildeter Experte sein spezifisches Wissen teilen, behält aber dennoch den gesamten Überblick. 

Somit sind seine Kenntnisse über Fachthemen, wie die Candidate Experience, up-to-date und ermöglichen eine nachhaltige und systematische Planung aller Aktivitäten.

Zusätzlich agiert er damit als Ratgeber für die Geschäftsführung und die Führungskräfte im Unternehmen in den Bereichen Employer Branding und digitalem Recruiting. 

Die Relevanz von Recruiting in den Fachbereichen wird klar wahrgenommen, da der lernende Recruiter auch zum Thema Recruiting aufklärt. Das Ergebnis:

  • Keine verschobenen Termine
  • Auf das Vorstellungsgespräch gut vorbereitete Team-Leads 
  • Bewusstsein für die Personalauswahl

Verschiedene Recruiting-Kanäle werden vom lernenden Recruiter zielgerichtet eingesetzt und es können sogar Führungskräfte und Mitarbeiter überzeugt werden, als Markenbotschafter mit Kandidaten zu interagieren.

Die Neugier des lernenden Recruiters für Digitales und Offenheit für zukünftige Entwicklungen resultiert auch in einem Bewusstsein dafür, dass Unterstützung durch Software und Systeme notwendig ist, um Prozesse zu automatisieren.

Seine Methoden beinhalten:

  • Ganz klar: Weiterbildung
  • Fachthemen und Wissen im Unternehmen verbreiten
  • Markenbotschafter einsetzen
  • Prozesse durch Software automatisieren

Der unterstützte Recruiter

Die Fachbereiche und Führungskräfte unterstützen bei der Recruiting-Tätigkeit. Personalbeschaffung ist für den unterstützten Recruiter kein Einzelkampf, sondern Teamsache. 

Die Bewerberauswahl wird demnach nicht durch einzelne Personen durchgeführt. Sie ist Ergebnis eines abgestimmten Prozesses.

Systeme und Software übernehmen Aufgaben wie Administration und Verwaltung der Bewerbungen. Solche Standardaufgaben sind beim unterstützten Recruiter teilweise automatisiert. Damit kann er sich auf die eigentliche Arbeit fokussieren: Seine qualitative Tätigkeit und die Beziehung mit Talenten. 

Dabei nutzt er auch Active Sourcing und baut sich über ein Bewerbermanagementsystem oder Talent Relationship System einen Talent Pool auf.

Der Umgang mit den Bewerbern als Menschen bleibt beim Recruiter selbst.

Die Implementierung von Recruiting-Analytics-Methoden steht an erster Stelle und für das Recruiting-Controlling wendet er aktuelle Software aktiv an. 

Durch die regelmäßige Anpassung und Änderung der Kriterien und Faktoren im Tool wird die Budget-Planung regelmäßig optimiert.

Die Soft Skills der Kandidaten werden immer wichtiger. Es zählen Begeisterung, Motivation, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit. Der unterstützte Recruiter hat das erkannt und arbeitet mit Matching-Tools und Methoden, die dies zusätzlich zu seinem Bauchgefühl testen.

Damit er aktiv sein digitales Recruiting verbessern kann, engagiert er sich bei der Entwicklung von Recruiting-Tools. Er nutzt den Kontakt zu Anbietern und Entwicklern, gibt diesen Anwendungsbeispiele und fragt spezifische Funktionen an.

Dies ermöglicht es ihm, mit Software zu arbeiten, die ihn an den richtigen Stellen unterstützt und nicht ersetzt.

Seine Methoden sind:

  • Fachbereiche und Führungskräfte integrieren
  • Bewerbermanagementsysteme für Standardaufgaben einsetzen
  • Systeme und Software verbessern
  • Active Sourcing betreiben
  • Recruiting-Controlling anwenden
  • Eignungsdiagnostik mit Matching-Tools abbilden

Fazit

Es wird keine dieser Personen in der Realität exakt geben, wie sie hier beschrieben sind. Auch eine exakte Schnittmenge aller Recruiter-Eigenschaften ist vermutlich schwierig zu finden.

Dennoch bietet diese Übersicht eine Möglichkeit, eigene Zukunftspotenziale zu erkennen und die Recruiter-Rolle für die Zukunft aktiv mitzubestimmen.

Es gibt in der Berufswelt Recruiting viele Generalisten und es ist nicht leicht in jedem Fachbereich Experte zu sein. 

Wie kannst du auch gleichzeitig Employer Branding-Experte, Marketer, Daten-Analyst, Trendscout, Social Media Manager und so weiter sein?

Wichtig ist es, auf Details zu achten und trotzdem die eigene langfristige Entwicklung im Blick zu behalten.

Die Digitalisierung im Recruiting funktioniert nicht von alleine. Es gibt Probleme und Kollegen, die sich querstellen. Aber einen Umweg gibt es nicht.

Viele sprechen von der aktuellen Digitalisierung, die wir durchleben. Aber wird es eine Zeit nach der Digitalisierung geben oder ist Digitalisierung heute, einfach nur zum Synonym für Veränderungen unseres digitalen Umfelds geworden?

Heißt Digitalisierung meistern, Veränderung als Normalität zu betrachten?

Key Takeaways

Der Recruiting-Alltag ist noch nicht in der Zukunft angekommen. Viel gepredigte Trends sind in vielen Bereichen noch Zukunftsmusik.
Recruiter, die zukünftig auf Vernetzung, Weiterbildung, langfristige strategische Ausrichtung und Unterstützung setzen, gehen der Digitalisierung entgegen.
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle kann helfen, Herausforderungen zu begegnen und sein Berufsfeld aktiv mitzubestimmen.

Artikel teilen:


Weiterführende Artikel