#SocialRecruiting aufbauen: Guide & Tipps

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Schon seit Monaten sind keine neuen Posts auf der Karriereseite auf Facebook hochgeladen worden? Social Media wird im Recruiting nur halbherzig genutzt? Social Recruiting ist nicht nur ein Kapazitätsproblem, sondern auch eine strategische Herausforderung.

Inhalt

Was ist Social Recruiting?

Unter Social Recruiting wird die Personalbeschaffung über Social Media verstanden. Damit sind alle Recruiting-Maßnahmen eingeschlossen, die Social-Media-Kanäle nutzen und vom gezielten Einsatz der Plattformen und Netzwerke profitieren.

Social Recruiting beschreibt also ein ziemlich weites Feld:

  • das Posten der Stellenanzeige auf LinkedIn
  • das aktive Ausspielen von Werbung
  • bis hin zur direkten Kandidatenansprache

Es ist alles mit inbegriffen.

Viele sprechen dabei auch vom Social Media Recruiting oder verwenden den Begriff Social Recruiting nur in Bezug auf die aktive Ansprache über die sozialen Medien, dem Active Sourcing.

Außerdem wird häufig zwischen den Formen Social Media und Social Networks unterschieden. Das heißt, mit Social-Media-Plattformen sind eher Plattformen gemeint, auf denen Nutzer ein Profil erstellen, Kontakt miteinander halten und Inhalte posten (auch Unternehmen). 

Social Networks oder Karrierenetzwerke bestehen aus Profilen von Personen mit einem beruflichen Bezug oder Unternehmen, die dort “netzwerken” und in den fachlichen Austausch gehen. Die Grenzen verschwimmen aber immer mehr.

Veranstaltungstipp:

Die Social Recruiting Days finden vom 06.10. bis zum 07.10.2020 in Berlin statt – du kannst live vor Ort oder gegen einen wesentlich geringeren Betrag auch virtuell teilnehmen. Der Kongress dreht sich um alle relevanten Themen des Social Recruitings: Talent Sourcing, Recruitment Analytics & AI, Candidate Journey & Talent Attraction, Employer Branding und Employee Experience.

Da im HR-Bereich viele Themen miteinander verflochten sind, können wir uns ewig mit der Definition beschäftigen und eine Abgrenzung versuchen. Sinnvoller ist es allerdings, dass wir uns konkret damit beschäftigen. Was ist denn nun alles möglich und welche Instrumente gibt es?

Instrumente des Social Recruitings

Die meisten Maßnahmen im Social Recruiting lassen sich in drei große Bereiche einordnen – natürlich nicht ganz überschneidungsfrei und mit Wechselwirkungen auf den jeweils anderen Bereich:

Das Active Sourcing oder auch “Hey [Name], wir haben da einen interessanten Job für dich”

Mit Active Sourcing bezeichnen wir die direkte Ansprache von passenden Kandidaten. Das gibt es schon lange. Vor allem bei der Suche nach Führungskräften und höheren Positionen nutzen Recruiter und Personaler häufig ihr eigenes Netzwerk oder das von Kollegen, um passende Mitarbeiter zu finden.

Aber was ist neu?

Der Einsatz neuer Tools und Anbieter, die das Active Sourcing erleichtern.

Moderne Bewerbermanagementsysteme übernehmen nicht nur automatisiert alle wichtigen Infos aus den relevanten Kanälen, sondern mit Social Recruiting machen wir uns die Vielfalt an Informationen auch zunutze. Die Kandidaten werden vor allem auf Karrierenetzwerken wie LinkedIn und Xing selbst gesucht und aktiv angesprochen – auf allen Karrierelevels.

In einigen Fällen können dadurch die Besetzungskosten gesenkt werden, da nach einer eingehenden Analyse des Stellenprofils nur die passenden Personen kontaktiert werden. Es wird keine flächendeckende Recruiting-Kampagne durchgeführt. 

Sogar Arbeitnehmer, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, können auf neue Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Dabei kommt es im Active Sourcing vor allem auf die Formulierung und den persönlichen Umgang an. 

Employer Branding – mehr als nur ein Tischkicker

Über Social Media lassen sich perfekt authentische Einblicke ins Unternehmen geben. Mit Employer Branding wird die Arbeitgebermarke für interne und externe Zielgruppen in Szene gesetzt.

Themen wie die Arbeitsatmosphäre, Mitarbeitervorteile oder auch die Hierarchiestruktur im Unternehmen haben einen entscheidenden Einfluss im Bewerbungsprozess – natürlich um einen Bewerber für sich zu gewinnen. Deshalb können Unternehmen über ihr Instagram-Profil, Bilder aus dem Arbeitsalltag zeigen, Stories von Events zeigen oder auch direkt Fragen beantworten über den Facebook-Chat.

Laut der Social Recruiting-Studie von Monster finden sieben von zehn Kandidaten, die Nutzung von Social Media in der Personalbeschaffung gut. Die Kommunikation mit dem Bewerber auf Augenhöhe kann am Ende den Ausschlag geben.

Recruiting-Kampagnen – der virale Hit

Bei besonders spannenden, ergreifenden und vor allem lustigen Recruiting-Kampagnen kann es schon einmal passieren, dass ein Video auf der Plattform YouTube “viral” geht. Das heißt, dass ein Inhalt häufig auf den sozialen Medien geteilt wird und Tausende bis Millionen Klicks, Views und Likes bekommt.

Aber auch ohne die ganze Aufmerksamkeit kann eine solide Social-Media-Kampagne zu merklichen Ergebnissen führen. Grundsätzlich sollen Bewerber durch eine Recruiting-Kampagne erst einmal auf das Unternehmen aufmerksam  werden. 

Dabei kann durch das Posten von Inhalten organische Reichweite erzeugt werden – nur Follower oder Fans werden erreicht – oder bezahlte Reichweite. Dabei werden sogenannte Paid Ads oder Sponsored Posts gebucht, die je nach Einstellung und Budget an deine Zielgruppe ausgespielt wird.

Zwei spannende Recruiting-Kampagnen auf Social Media gibt es auch hier in unserem Artikel zu den besten Recruiting-Kampagnen für mehr Reichweite.

So gehst du vor – Richte dein Social Recruiting nachhaltig ein

Willst du ein erfolgreiches Social Recruiting einführen oder bestehende Prozesse verbessern, solltest du dir die folgenden Schritte genauer anschauen, denn eine Gesamtstrategie mit geklärten Zielen und Verantwortlichkeiten ist erfolgsentscheidend.

Planung

  1. Im ersten Schritt analysierst du, was bereits existiert. Die folgenden Themen solltest du dir anschauen und dokumentieren:
    • Was sind die Themen der Personalbedarfsplanung? Wo werden in Zukunft neue Mitarbeiter benötigt?
    • Wer ist dann die Zielgruppe? Was sind die Anforderungen, Interessen und Bedürfnisse der Personen?
    • Wie werden die Ziele im Recruiting gemessen? Wie viel Budget und Ressourcen stehen dir intern oder auch extern zur Verfügung?
    • Welche Social-Media-Kanäle werden bereits genutzt? Was passiert da bereits und wie erfolgreich sind welche Aktivitäten?
    • Wie sieht es bei der Konkurrenz aus?
    • Was sind die gängigsten Plattformen und welche “Spielregeln” gibt es dort? Dazu unten mehr.
  2. Setze dir erreichbare und vor allem messbare Ziele. Verwende übergeordnete Ziele und differenziere diese aber soweit aus, dass sich kleine Aufgaben ableiten lassen, die du angehen oder verteilen kannst. Du kannst dich an bisherigen Daten orientieren und dann nach und nach deine Ziele anpassen.
  3. Als Nächstes erstellst du die Content-Strategie. Kern dessen ist in Normalfall der Content-Plan, bei dem du festlegst, welche Inhalte mit welchem Ziel wo erscheinen sollen. Zusätzlich erfasst du auch, wer für die Produktion verantwortlich ist. 

Umsetzung

Um irgendwelche Inhalte veröffentlichen zu können, benötigst du zunächst ein Unternehmensprofil auf den relevanten Kanälen.

Die am häufigsten genutzten Kanäle im Social Recruiting sind:

  • Facebook
  • Karrierenetzwerke wie Xing und LinkedIn
  • Twitter
  • Instagram
  • YouTube
  • Diskussionsforen oder Dienste, die nur in speziellen Branchen bekannt sind

Für die Erstellung der Profile ist es zunächst erforderlich, dass du dir geeignetes Bildmaterial, Grafiken oder auch Informationen organisierst. Diese sollten für Profilbild, Titelbild und erste Postings geeignet sein. 

Je nach Größe des Unternehmens und der internen Struktur kann es sinnvoll sein, separate Profile für den Karriere und den allgemeinen Unternehmensaccount zu erstellen.

Als Nächstes gilt es, die Inhalte, die du im Content-Plan festgelegt hast, zu produzieren, zu veröffentlichen und kanalgerecht zu verteilen: 

Bilder aus dem Arbeitsalltag – mit echten Mitarbeitern – und eindrucksvolle Aufnahmen eignen sich für die Nutzung auf Instagram. Kurze Videos eignen sich zum Beispiel für Facebook und LinkedIn. Lange Texte und Erfahrungsberichte solltest du eher auf einem Karriereblog veröffentlichen und verlinken.

Tipp: Auf Facebook lassen sich auch eine Menge Gruppen finden, die sich auf ein bestimmtes gemeinsames Thema beziehen. Du kannst mit der Unternehmensseite dort beitreten und mit Kandidaten in den Austausch treten. 

Suche beispielsweise nach Jobs für Studenten I Stadt oder auch Jobs für Softwareentwickler und Webdesigner. Dort kannst du nicht nur deine offenen Stellenanzeigen posten, sondern auch Fragen beantworten oder die Zielgruppe näher kennenlernen.

Am besten sollten alle Aktivitäten verknüpft sein. Auf der Karriereseite sollten die einzelnen Profile verlinkt sein und letztlich auf eine Gesamtstrategie einzahlen.

Kontrolle

Zu einem ganzheitlichen und erfolgreichen Social-Recruiting-Prozess gehört die Erfolgsmessung dazu. Anhand der erhobenen Daten solltest du deine Social Recruiting-Aktivitäten immer wieder optimieren und anpassen. 

Du kannst die wichtigsten Kanäle identifizieren und hier mehr Ressourcen einsetzen.

Achtung: Die Performance hängt von vielen Faktoren ab und eine Kampagne auf Facebook, die schlecht läuft und nicht geklickt wird, muss nicht unbedingt aussagen, dass die Plattform komplett falsch ist.

Durch A/B-Tests kannst du Kleinigkeiten bei einem gleichen Post verändern und genauere Aussagen treffen.

Die folgende Tabelle kann dir helfen, deine Erfolgsmessung anhand von KPIs zu messen:

KennzahlErklärungFormelDatenquelleMessung (Wann und wie oft?)Verantwortlich
(Welche Abteilung? Und welche Person?)
Schlussfolgerung oder Optimierung
Follower oder FansNutzer und Mitglieder, die dem Unternehmensaccount pro Plattform folgen
ImpressionsAnzahl wie oft ein Post im Durchschnitt Nutzern angezeigt wird 
CTR (Click-through-rate)bei Links und Job-Posts, wie oft geklickt wird im Verhältnis zu den Impressions
Bewerbungen pro KanalAnzahl der Bewerbungen, die über ein Social-Media-Kanal kamen
Seitenaufrufe der Webseite nach QuelleAnzahl der Besucher, die die Karriereseite oder einzelne Stellenanzeigen aufgerufen haben pro Social-Media-Kanal

Passe die Tabelle an dein Recruiting an und fülle sie vollständig aus. Anschließend verteilst du sie mit allen Beteiligten und richte dir einen regelmäßigen Reminder ein, die Zahlen zu kontrollieren und mögliche Verbesserungen vorzunehmen.

Die Spielregeln des Social Recruitings – das solltest du beachten

  1. Social Media ist persönlich. Die Kommunikation sollte daran angepasst sein und auf einer Ebene stattfinden. Passe die Ansprache dem Stil und dem Ton auf der Plattform an. Häufig wird direkt das Du verwendet.
  2. Kanalspezifische Gestaltung: Nichts ist weniger erfolgreich, wie unpassende Formate auf einer Plattform. Die Nutzer sind visuell ansprechende Inhalte gewohnt. Mit Canva, Pablo, Snappa oder auch Adobe Spark kannst du optisch ansprechende Grafiken erstellen.
  3. Ein Unternehmensauftritt, der authentisch ist, überzeugt die Bewerber und sollte demnach die wirkliche Arbeitskultur repräsentieren. Binde hier zum Beispiel Kollegen ein, die Lust haben, und schaffe so echte Beiträge von echten Mitarbeitern.

Empfehlungen und Tipps: Hier kannst du dir für dein Social Recruiting Hilfe holen

Viele Unternehmen holen sich für ihr Social Recruiting Unterstützung. So wie eine Marketingabteilung Agenturen beauftragt, sie in der Konzeption und Umsetzung von Werbekampagnen zu unterstützen, kannst auch du dir Hilfe holen.

Je nachdem welche Maßnahmen, du planst, solltest den Aufwand und die benötigten Kenntnisse nicht unterschätzen.

Auch Active Sourcing kann durch Dienstleister und Tools unterstützt werden.

Eine umfangreiche Übersicht über die hilfreichsten HR-Tools findest du auch in unserer Toolbox.

Zu guter letzt kannst du dir auch über die Facebook Werbebibliothek Inspiration suchen. Die Werbebibliothek ist eine Sammlung aller Anzeigen, die aktuell in Facebook-Apps und -Services geschaltet werden. Der Werbebericht beinhaltet Daten zu den Ausgaben der einzelnen Werbetreibenden, zu deren Targeting und zur Performance der Kampagnen

Werbebibliothek Facebook am Beispiel des Werbetreibenden GoodJobs
Quelle: Facebook Werbebibliothek

Zum Schluss haben wir noch einen kleinen Buch-Tipp für dich. Um dich einzulesen und dir viele weitere hilfreiche Ratschläge zum Thema Social Media Recruiting und Social Recruiting zu holen, empfehlen wir das Praxishandbuch von Ralph Dannhäuser

Hier sind viele, viele Themen abgedeckt. Unter anderem eine Einführung in die Trends im Recruiting von Dannhäuser selbst, aber auch ein Beitrag zur Nutzung von LinkedIn für den Aufbau eines Talentpools von Wolfgang Brickwede sowie ein – wie wir finden – hilfreiches Kapitel zur Messung von Recruiting-Erfolgen. Eine neue Auflage erscheint demnächst (Sommer 2020). Wir sind gespannt, welche neuen Themen dazugekommen sind.

Key Takeaways

Mit Social Recruiting ist die Personalbeschaffung über die verschiedenen Social-Media-Kanäle gemeint.
Eine ganzheitliche Strategie, die die einzelnen Maßnahmen Active Sourcing, Employer Branding und Recruiting-Kampagnen verknüpft und einen Content-Plan sowie dessen Kontrolle festlegt, ist erfolgsentscheidend.
Zusammenfassend gilt aber auch: “Social Media [wird] immer mehr zum festen Bestandteil im Personalmarketingmix; so sehr, dass die Grenzen zwischen den Disziplinen „Klassik“, „Online“ und „Social“ nach und nach verschwimmen. Recruiting- und Employer-Branding-Kampagnen werden in Online-Netzwerke übernommen oder gleich auf diese zugeschnitten.”
– Zitat Tobias Kärcher aus dem Buch “Praxishandbuch Social Media Recruiting”

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