Recruiting und Arbeitsmarkt in Bewegung – oder auch „The Great Rehiring“

| | Lesezeit: 4 Minuten

Was klingt wie eine Überschrift zur Fortsetzung des Kinofilms “Das große Krabbeln” ist eigentlich nur der Begriff mit dem D’Arcy Coolican und Jeff Jordan die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt in der Post-Corona-Phase beschreiben: The Great Rehiring.

Inhalt

Was bedeutet Great Rehiring?

Auf Basis der erwarteten Arbeitslosigkeit von über 30 % in den USA wurde im Artikel “COVID-19 and the Great Rehiring”, der Übergang von unseren “normalen” Prozessen im Recruiting, von unserem “War for talens” zu neuen Bedingungen beschrieben. Ein riesiger frei werdender Pool an Kandidaten birgt eben einige Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Recruiting. 

Zurecht dürfen wir uns fragen: Werden in Deutschland ebenso viele Kandidaten verfügbar trotz unseres starken Netz an Unterstützung für Unternehmen in wirtschaftlichen Krisen – allen voran die Kurzarbeit als Option zur Arbeitsplatzsicherung? 

Auch wenn wir das zum Glück derzeit verneinen können, sollten wir uns die Zahlen einmal anschauen:

Mit 2.847.000 Arbeitslosen im September 2020 liegt die Zahl etwa um 580.000 höher als der Jahresdurchschnitt im letzten Jahr mit 2.267.000 Menschen.

Die Kennzahl der Unterbeschäftigung zeigt außerdem neben den als arbeitslos registrierten Menschen auch Personen, die beispielsweise an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnehmen oder kurzfristig erkrankt sind. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im September 2020 bei 3.613.000 Personen. Das sind 462.000 mehr als im Vorjahr.

Es zeigen sich allerdings bereits im September Besserungen im Vergleich zum August 2020 (bisheriger Höchststand der Arbeitslosenquote bisher dieses Jahr mit 6,4 %) und auch die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, geht weiter zurück.

Dennoch lassen diese Zahlen darauf schließen: es wird eine höhere Zahl an neuen Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt verfügbar.

Konkret entsteht die Fluktuation durch drei Entwicklungen:

  • Neusortierung:
    Veränderte interne und externe Anforderungen veranlassen Unternehmen dazu, ihre Arbeitskraft neu zu sortieren. Einerseits wird mehr auf Digitalisierung und zum Beispiel auch auf Bereiche wie E-Commerce gesetzt, andererseits gibt es weniger Mobilität und Reisen. Einige Unternehmen fokussieren sich nun eher auf ihr Kerngeschäft, andere expandieren mit neuen Ideen. Dafür müssen Teams umstrukturiert werden. Arbeitnehmer werden entlassen oder landen in neuen Abteilungen und Positionen. Dabei kann es auf allen Ebenen und Industrien zu Kündigungen kommen. Werden etwa zehntausende Stellen gestrichen, wie es teilweise in der Automobil- und Zuliefererindustrie geplant ist, wird unabhängig von Performance entschieden. Das Ergebnis: eine größere Menge qualifizierter Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt.
  • Aktivierung:
    Kandidaten, die zuvor auch im Sinne des Active Sourcings als passive Kandidaten eingestuft worden wären – da sie nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber dennoch überzeugt werden können – starten ihre Jobsuche. Warum? Durch veränderte Rahmenbedingungen in der Pandemie-Hochphase setzen einige neue Prioritäten: das kann einerseits die Familie oder die Gesundheit sein, andererseits werden manche erkennen, welche Aufgaben sie wirklich in ihrem Beruf erfüllen wollen.
  • Unzufriedenheit:
    Arbeitskräfte, die den Umgang ihres Arbeitgebers mit der Krise negativ erfahren haben oder lange in Kurzarbeit belassen wurden, haben Erfahrungen gemacht, die sich nicht mehr ohne Probleme korrigieren lassen. Sie schauen sich ebenfalls um.  

Welche Folgen hat das Great Rehiring?

Es gibt mehr Bewerbungen pro Stelle. Vor allem aus Branchen, wie der Reise-, Automobil- oder auch der Versicherungsindustrie wird es Bewerber geben.

Die Kandidaten und Bewerber können teilweise “in Vollzeit” nach Jobs suchen. Sie müssen nicht nebenher, wie sonst, Bewerbungen schreiben oder Vorstellungsgespräche absolvieren, sondern haben eine hohe Verfügbarkeit. Für das Recruiting bedeutet das, fixe Reaktionszeiten und eine generelle Schnelligkeit im Bewerbungsprozess werden erwartet – sind erfolgsentscheidend.

Plus: kurze bis gar keine Kündigungsfristen führen dazu, dass die neuen Kollegen direkt anfangen können (und auch wollen).

Auch wenn das Unternehmen bereits wieder aus dem Homeoffice zurückgekehrt ist, werden die meisten Bewerbungsprozess noch remote durchgeführt. So können die Besucherzahlen in Büros gering gehalten werden. Auch wenn Standardvorstellungsgespräche über Telefon- und Videointerviews abbildbar sind, werden neue Lösungen für Recruitingprozesse, wie Probetage oder Assessment-Aufgaben benötigt. 

CleverMatch bietet beispielsweise eine Lösung zum Online-Assessment an. Das Unternehmen mit ihrer MatchingBox kann zur Abstimmung von Unternehmenskultur und Persönlichkeit des Bewerbers genutzt werden. 

Wenn die menschliche Ebene über Videointerviews schwer abschätzbar ist, kann die Personalauswahl außerdem von datengetriebenen Recruiting profitieren.

Was bedeutet das Great Rehiring für die Candidate Experience?

Verliert die Candidate Experience an Bedeutung, wenn sowieso eine Masse an Bewerbungen eingehen?

  1. Besonders gefragte Kandidaten sind schnell wieder weg vom Markt und es gilt diese weiterhin als Arbeitgeber zu überzeugen.
  2. WOM: Word-of-Mouth steht als Bezeichnung für die direkte Kommunikation zwischen Personen. Schlechte Erfahrungen im Bewerbungsprozess sprechen sich herum und bleiben nicht zuletzt auf kununu hängen. 
  3. Vor allem jetzt lohnt es sich positiv hervorzustechen und als Arbeitgeber zu zeigen, dass man auch in schwierigen Situationen seine Werte verfolgt. 

Aus Krisen entstehen Chancen – so nutzen wir sie

Es lohnt sich in der aktuellen Situation den eigenen Mitarbeitern zu zeigen, dass sie eine Zukunft im Unternehmen haben. So werden sie nicht zu aktiven Kandidaten bei anderen Arbeitgebern. 

Eine Offenheit gegenüber dem Wechsel im Unternehmen ermöglicht es Mitarbeitern, neue Chancen in anderen Bereichen wahrzunehmen. Besonders bei langen Kurzarbeitsphasen können hier über Angebote gesprochen werden.

Die große Chance des Great Rehirings – oder des großen Krabbelns auf dem Arbeitsmarkt – besteht darin, an die besten Talente zu gelangen. Bei einer etablierten Homeoffice-Kultur spielen beispielsweise auch geografische Grenzen oft keine Rolle mehr.

Eine super Möglichkeit ist in dem Zusammenhang auch die Nutzung von Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programmen. Vorherige negative Aspekte von solchen Programmen, dass Personen möglicherweise nicht in ihrem eigenen Umfeld “werben” und Akquise betreiben wollen, werden hinfällig.

Warum?

Ein Beispiel: Einer deiner Mitarbeiter oder Kollegen erfährt von einer wechselwilligen Person in seinem Umfeld oder einer Kündigung. Diese Person, von der dein Kollege weiß, dass sie engagiert ist und ins Unternehmen passen würde, lässt sich viel leichter ansprechen und auf offene Stellen aufmerksam machen. Normalerweise wäre sie nie auf den Arbeitsmarkt gekommen und deinem Mitarbeiter wäre es unangenehm gewesen sie “abzuwerben”. 

Aber so haben alle etwas davon und es gibt ein positives Ergebnis.

Konkrete ToDo’s fürs Recruiting

Um die Chancen zu nutzen, gilt es zunächst, den Bedarf und die eigenen Ressourcen zu analysieren. Stelle dafür die zu tätigenden Aufgaben (jetzt und zukünftig sowie Ist und Soll) mit der verfügbaren Arbeitskraft gegenüber.

Evaluiere die Möglichkeiten, wie du freiwerdende Talente auf dem Arbeitsmarkt ansprichst und als Bewerber akquirierst. Hier findest du unseren Artikel zu den besten Recruiting Kampagnen für mehr Aufmerksamkeit.
Und ermögliche schnelle Prozesse, die den Anforderungen im Arbeitsmarkt entsprechen und die Time-to-Hire zu reduzieren. Zum Beispiel durch den Einsatz von Tools zur Unterstützung des Bewerbungsprozesses.

Key Takeaways

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie verändert sich der Arbeitsmarkt.
Qualifizierte Kandidaten, die durch Unzufriedenheit, Kündigungen oder veränderte Prioritäten auf den Arbeitsmarkt kommen, können wieder neue Jobs finden.
Neue Anforderungen sind unter anderem die höhere Schnelligkeit des ganzen Bewerbungsprozesses, aber auch die Auswahl der passenden Bewerber über digitale Tools.

Artikel teilen:


Weiterführende Artikel

1 Gedanke zu „Recruiting und Arbeitsmarkt in Bewegung – oder auch „The Great Rehiring““

Kommentare sind geschlossen.